Bildkunst

Unter der Oberfläche

Unter der Oberfläche

Genauer hinschauen ist nicht immer schön, aber erkenntnisreich.

Man ist nicht tot, wenn man seine Organe spendet.
Moderne Transplantationsmedizin ist nur ein Beispiel von sieben Themen, die zum Teil unwichtig scheinen und zum Teil mit strikten gesellschaftlichen Restrikonen versehen sind, damit sie tunlichst nicht an die Oberfläche gezerrt werden.
Also belassen wir sie dort - unter der Oberfläche.
Geheimnisse, Anklagen und Enthusiasmus wurden in vielen Schichten mit ungewöhnlichen Materialkombinationen verarbeitet.

Ab ins Buch!

Ab ins Buch!

Die Ausstellung der Hui-Welt.

Eine Fotodokumentation der Ausstellung im Rheinisch-Westfälischen Museum für Literatur auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde.
Mit viel Freude und Leidenschaft wurden die Hartmut und ich-Romane in die Realität geholt und Detailreich gezeigt.

Auf der BAB

Auf der BAB

Niemand glaubt, dass die einen tatsächlich exisiteren und dass die anderen so viele sind.

Foto-Serie der Menschen, deren Arbeitsplätze jeden nervt, der auf einer Autobahn von A nach B kommen möchte.
Baustellen auf der Autobahn sehen immer verlassen aus. Doch wenn man sich vorsichtig gegen den Wind anschleicht, lassen sich die scheuen Gesellen fotografisch bannen.
LKW dagegen sind omnipräsent. Weit deutlicher, als man zugeben mag. Sie präsentieren sich in Reihe und auch mal Kreuz und quer auf Rasthöfen, rauschen eng an kleinen PKW vorbei, verdunkeln den Himmel und brechen den Boden auf. Sie sind alles andere als scheu.

Zweihundert heimliche Werke

Zweihundert heimliche Werke

Niemand wird sie je sehen.

Denn sie existierten, wurden versteckt und sind mittlerweile glattgespült, verrottet oder in die natürlichen Bestandteile zerlegt.
Die Aktionskunst Fluxus gibt es seit den 1969er Jahren, meinte jedoch nur den fließenden Übergang zwischen Kunst und Leben. Hier ist es der fließende Übergang zwischen Kunst, Natur, Vergänglichkeit, Zeit und Wahrnehmung.
Das Prokjekt Zweihundert heimliche Werke ist eine ganz stille Fluxus-Variante, wenn man denn eine Bezeichnung braucht.

Apperzeption

Apperzeption

Winziger Ausschnitt aus dem Oevre.

Apperzeption meint die konkrete und bewusste Aufnahme der Substanz einer Begebenheit, einer Wahrnehmung oder einer Idee. In der Psychologie geht es bei dem von Leibniz und Wundt benutzten Begriff um die Einordnung eines aktiv wahrgenommenen Ereignisses in den Bewusstseinszusammenhang. In der Philosophie wird der Begriff bei Kant zusätzlich für die generellen, insbesondere vernünftigen Möglichkeiten des Bewusstseins genutzt. Adorno und Benjamin differenzieren zudem die nebenher laufende bewusste Wahrnehmung. Letztlich geht es immer um Kognition, also um die Gesamtheit aller Prozesse, die mit dem Wahrnehmen und Erkennen zusammenhängen.
Die hier gezeigten Bilder entstanden ausschließlich durch jene bewusste Wahrnehmung. Auch wenn die Themen an sich stets emotional aufgeladen waren, so zeigen die Bilder doch nur das, was mit den Sinnen erfasst und visuell wiedergegeben werden kann. Doch wie Erinnerungen bewusst erlebter Ereignisse, sind auch diese Abbildungen nicht immer präzise und niemals fotorealistisch, aber die Substanz der Begebenheiten, der Wahrnehmungen und der Ideen ist immer klar erfasst.

Artifizielle Artefakte

Artifizielle Artefakte

kleiner Einblick ins Oevre.

Aus Menschenhand gefertigte Gegenstände sind Artefakte. Diese künstlerisch aufzuladen, bezeichnet man als artifiziell. Genau damit hat dieses Bildkunst-Kapitel angefangen: Ein leider bereits lange verschollener, wunderbarer Mensch erwartete angeschwippst eine simple, aber plausible Definition davon, was man als Kunst definieren könne. Für unhaltbar hielt er die Antwort, man könne alles zur Kunst machen - und zwar nicht nur intellektuell definitorisch, sondern auch visuell wirkungsvoll. Und zwar sogar schon mit ganz wenigen Mitteln. Durchaus provokant überreichte er einen Mc-Donalds-Plastikhalm mit den Worten: "Aha, dann mach mal daraus Kunst."
Die verarbeiteten Objekte sind im Laufe der Zeit nicht nur ausschließlich menschengemacht, sondern entstanden mitunter auch auf natürlichem Weg. Die Artifizierung als solche entwickelte sich schließlich zu darstellenden, abstrakten und informativen Komponenten des Bildaufbaus.

Rezeptions-Noema

Rezeptions-Noema

These von Sylvia Witt (verfasst im generischen Femininum).

Es gibt drei Rezeptionen eines künstlerischen Werks, deren wichtigster Unterscheidungsfaktor die Nähe zur Kunstschaffenden darstellt.
Das, was die Künstlerin selbst darin sieht, bildet die erste Ebene. Sie ist eine persönliche Black Box, nicht einsehbar für die Außenwelt. Alles, was Künstlerinnen selbst über ihr Werk aussagen, ist bereits einer Zensur unterworfen und wird je nach Ziel und Zweck der Äußerung modifiziert. In keinem Fall stimmt es mit den ursprünglichen Gefühlen und Gedanken bei der Planung und Ausführung des Bildes vollständig überein. Die erste Ebene der Kunstrezeption bleibt somit eigen, individuell und monadisch.
Das, was Menschen, die der Künstlerin sehr nahe stehen, über das Werk denken, stellt die zweite Ebene dar. Sie deuten ihre eigenen Gefühle und Gedanken in Hinblick auf die Künstlerin als den Menschen, den sie kennen. Doch kennen sie wiederum immer nur einen Teil dieses Menschen, seine Rolle auf der alltäglichen Bühne. Facetten wie "die Schwester", "die beste Freundin", "die Mutter", "die Eigensinnige", "die Langhaarige", "die Sanfte" oder "die Viellachende". Auf der zweiten Ebene fällt die Interpretation daher primär persönlich aus und das selbst dann, wenn ein Werk z.B. eine eindeutig globale politische Aussage haben mag.
Die dritte Ebene bildet das, was alle anderen rezipieren, wenn sie ein Werk sehen und dabei je nach Vorwissen die Äußerungen des Künstlers, das Zeitgeschehen oder typische Elemente eines Stils oder einer Epoche miteinbeziehen. Diese Ebene ist naturgemäß am weitesten verbreitet, am stärksten divers, aber leider auch am weitesten von dem entfernt, was die Schaffende tatsächlich im Sinn hatte. Interpretationen, die als „wahr“ in die Kunstgeschichte eingegangen sind, sind lediglich Abbilder ihrer Zeit und des stets unvollkommenen Wissens, das damals über die Schaffende verbreitet wurde. Sieger in der Evolution der Deutungen, die sich wie Sehgewohnheiten und theoretische Paradigmen, mit den Jahrzehnten durchaus wieder wandeln können.
Es ist wie im Gleichnis "Die blinden Männer und der Elefant" – individuelle Erfahrungen führen zu eigenen Schlussfolgerungen, die mitunter vollkommen unterschiedlich zu den Schlussfolgerungen anderer sein können.

Es ist leicht, bequeme Vorurteile, einfache Erklärungsmodelle oder das erstbeste, was einem plausibel erscheint, als die Wahrheit zu bezeichnen. Der Realität kommt man nur durch die Mühe näher, sie von möglichst vielen Seiten zu beleuchten. Das bedeutet auch, die eigene Rezeption plausibel verteidigen zu können. Sie ist ebenso individuell wie die Künstlerin und ihr Werk. Statt sich einer womöglich fehlerhaften Mehrheitsmeinung anzuschließen, kann man sich auch erlauben, die eigene, gut begründete Rezeption als gleichwertig zu anderen zu sehen.
Im übertragenen Sinn lässt sich diese Haltung abseits der Kunst auf alle Lebewesen ausweiten: Selbst wenn die Biologie das Leben im Kollektiv oder mindestens im sozialen Miteinander vorsieht, bleibt doch jedes einzelne Lebewesen ein Individuum, das nicht erst durch die Wahrnehmung anderer existiert. Somit ist jedes einzelne Lebewesen per se wertvoll. Es bedarf weder des Zusammenschlusses noch der Zustimmung, auch wenn beides möglich und mitunter nötig ist.
Die Drei-Ebenen-Rezeption regt somit stets zum Selbstdenken und zum Respekt vor dem Individuellen an.

In der Konsequenz daraus ergaben sich nahezu zwangsläufig die "Heimlichen Werke".
Werke, die ohne weitere Rezipienten auskommen und allein für sich und die Erschafferin stehen. Werke, ausschließlich auf der ersten Ebene der Rezeption. Werke ohne Bestand, möglichst nicht abgelichtet. Ohne Zuschauer.
Ein Geist der Freiheit, der erst kürzlich erstaunlicherweise von John Malkovich als Künstler Piers in der Schluss-Szene des Films "Die Kunst des toten Mannes" ausgelebt wurde. Versonnen zeichnet der vom Kunstgeschäft ausgelaugter Mann sich dort mittels endloser Ornamente am Strand wieder frei. Nur für sich, und, auf der Metaebene, natürlich für das Publikum des Films, so dass eine Ablichtung des Heimlichen gibt, von der die Filmfigur nichts weiß.